Aus medizinischer Sicht
von Dr. med. Christian Guth 
Medizin und Ernährung
Das Thema Ernährung hat in der wissenschaftlichen Medizin über lange Zeit ein Schattendasein gefristet. Bis vor wenigen Jahren gab es im Medizinstudium nicht einmal eine Vorlesung über Ernährung. Gründe dafür sind in erster Linie darin zu suchen, dass sich in unserer Kultur eher eine curative als eine vorbeugende Medizin entwickelt hat. Gegenbeispiele gibt es in anderen Kulturen, wie Indien, Tibet oder China. Die im Taoismus entstandene traditionell chinesische Ernährungslehre ist ein Meisterbeispiel dafür, wie Ernährung Gesundheit fördern und erhalten kann. In den letzten Jahrzehnten hat der vorbeugende Aspekt auch immer mehr Einfluss in der westlichen Medizin gewonnen und heute gibt es viele wissenschaftliche Erkenntnisse, die den Zusammenhang von richtiger Ernährung und Gesundheit belegen.
Große medizinische Studien zeigen, dass die häufigsten Zivilisationserkrankungen wie Herz – Kreislauferkrankungen, Krebs, Alzheimersche Erkrankung, und degenerative Erscheinungen im Bewegungsapparat wesentlich mit unserer Art der Ernährung zu tun haben. Zwei Hauptfaktoren machen Nahrungsmittel in unserer Zivilisation zu Krankheitserregern: Wir essen zuviel und die Nahrungsmittel sind oft so aufgebaut, dass sie den Körper potentiell schädigen.
Auch wenn das Essverhalten oft anders aussieht, wissen die meisten Menschen, was sie essen sollten. Wichtige Erkenntnisse aus der Forschung haben sich im Bewusstsein festgesetzt. Die Nahrung sollte leicht sein, wenig gesättigte Fettsäuren enthalten und reich an Ballast- und Vitalstoffen sein. Die Öffentlichkeit wird durch weltweite Kampagnen informiert. Ein Beispiel ist die „5-am-Tag“ – Empfehlung, die von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung und vielen anderen Organisationen unterstützt wird: Fünf Portionen Obst und Gemüse pro Tag. Erwachsene sollten täglich 500 bis 700 Gramm Obst und Gemüse zu sich nehmen, den Hauptanteil in Form von Gemüse.
Warum soviel Gemüse und Obst?
Lebensmittel können, abhängig von ihrer Zusammensetzung und Zubereitungsform, so genannten „oxidativen Stress“ im Körper erzeugen. Darunter versteht man die Freisetzung „Freier Radikale“ während des Stoffwechsels. Freie Radikale sind aggressive Sauerstoffmoleküle, die nach heutigem Wissensstand hauptverantwortlich für die meisten Erkrankungen und Degenerationsprozesse in unserem Körper sind. Nicht umsonst sagte schon Hippokrates „der Tod sitzt im Darm“. Feie Radikale entstehen aber nicht nur durch Essen sondern auch durch viele andere Einflüsse wie psychologischen und körperlichen Stress, Umweltgifte, UV – Strahlung, Rauchen usw. Um gesund zu bleiben und auch nicht vorzeitig zu altern, muss unser Körper ununterbrochen Freie Radikale unschädlich machen. Dazu braucht er „Radikalenfänger“. Ein Teil davon wird vom Körper selbst zur Verfügung gestellt, zum Beispiel bestimmte Hormone, ein wesentlicher Teil muss allerdings durch richtige Nahrungsmittel zugeführt werden. Zugeführte Radikalenfänger sind in erster Linie in frischem Gemüse und Obst enhalten. Es sind verschiedenste, antioxidativ wirksame Stoffe, wie Vitamine, Mineralstoffe, Enzyme und die große Gruppe der „sekundären Pflanzeninhaltsstoffe“.
Was bedeutet das für unseren Speiseplan? Essen wir genug Obst und Gemüse? Diese Frage kann mit Sicherheit verneint werden. Meist beschränkt sich der Obst- und Gemüsekonsum auf einen Beilagensalat und vielleicht auf ein bis zwei Stücke Obst täglich, wenn überhaupt. Für unseren „verwöhnten“ Gaumen kann der Geschmack frischer Pflanzen mit industriell gefertigten Lebensmitteln und in unseren Gourmet - Küchen zubereiteten Speisen nicht mithalten und Rohkost wird oft als kein „richtiges Essen“ erlebt. Manche Menschen versuchen das Obst- und Gemüsedefizit durch Vitaminpillen auszugleichen. Das ist nur zu einem geringen Teil möglich, da Vitaminpillen in der Regel keine sekundären Pflanzeninhaltsstoffe, keine Enzyme, Mineralien und Spurenelemente enthalten. Künstliche Vitamine können sogar gefährlich werden. In einer großen Studie haben sie das Krebsrisiko verstärkt.
Wie können wir nun mit genug pflanzlicher Nahrung unsere Gesundheit, Vitalität und Wohlbefinden optimieren?
Eine faszinierende Antwort gibt uns Victoria Boutenko mit der Erfindung des „Grünen Smoothie“. Fein gemixtes Gemüse und Obst stellt unserem Körper in hoher Konzentration alles an Vitalstoffen zur Verfügung, was er braucht, um den schädlichen oxidativen Stress abzufangen und das Gewebe optimal zu regenerieren. Wesentlich ist, dass durch das Mixen dem Organismus enorme Verdauungsarbeit abgenommen wird und viele Stoffe, die in der Regel durch ungenügendes Kauen gar nicht aufgenommen werden können, problemlos im Darm resorbiert werden. Dieser Effekt ist auch subjektiv zu spüren. Selbst nach größeren Mengen von Grünem Smoothie fühlen sich die meisten Menschen leicht und unbeschwert. Im Unterschied zu „nicht – gemixtem“ Obst und Gemüse, das bei manchen Menschen Blähungen und andere Verdauungsbeschwerden verursachen kann.
Viele positive Effekte auf die Gesundheit, die von vegetarischer Ernährung bereits bekannt sind, dürften mit hoher Wahrscheinlichkeit durch Grüne Smoothies verstärkt werden. Ein, auch gesundheitspolitisch sehr bedeutsamer Effekt, ist die Reduktion des Herzkreislaufrisikos bei Menschen mit fortgeschrittener Arteriosklerose. Es wurde gezeigt, dass pflanzliche Ernährung in Kombination mit Bewegung die Herzinfarktwahrscheinlichkeit bei Risikopatienten signifikant reduzieren kann.
Ein ganz wichtiger Aspekt im Grünen Smoothie ist der hohe Anteil von grünen Blättern.
Im Unterschied zu Obst finden sich, vor allem im dunkelgrünen Blattgemüse und in Wildkräutern, hohe Konzentrationen von spezifisch für den Menschen heilsam wirkenden Substanzen. Eine solche Substanz ist Chlorophyll. Chlorophyll stellt ein Heilmittel von enormer Potenz dar. Für den Menschen besonders bedeutsam scheint die Reduktion des Darmkrebsrisikos zu sein, das bereits in mehreren Studien nachgewiesen wurde. Stellt doch Darmkrebs eines der häufigsten Krebsleiden dar. Auch die entgiftende und desinfizierende Wirkung von Chlorophyll ist beachtlich.
Wer regelmäßig grüne Smoothies trinkt, wird bald feststellen, dass der Fäkaliengeruch angenehm natürlich wird. Pflanzliches Eiweiß enthält in seiner Struktur weniger Prolin, wodurch pflanzliches Eiweiß leichter verdaubar ist als Tierisches und damit weniger halbverdautes Eiweiß im Darm unangenehme Gerüche erzeugt. Der Körper hat mit weniger Toxinen zu kämpfen und erhält dennoch die Menge an Eiweiß, die er benötigt. Dass man unbedingt Fleisch essen muss um richtig ernährt zu sein, ist falsch.
Ein weiterer Aspekt ist die Auswirkung hochkonzentrierter Pflanzeninhaltsstoffe auf den Gehirnstoffwechsel. Die Produktion von Neurotransmittern, die Depressionen verhindern, scheint gefördert zu werden. Das limbische System (die Gehirnregion, die für die emotionale Steuerung verantwortlich ist), wird positiv moduliert und Angstimpulse werden reduziert. Diesen, erst im Anfangsstadium befindlichen Forschungen, kommt besondere Bedeutung zu angesichts der Tatsache, dass Depressionen und Angsterkrankungen mittlerweile zur häufigsten Krankheitsgruppe überhaupt geworden sind.
Signifikantes Gesundheitspotential
Es zeigt sich auch, dass durch regelmäßigen Konsum von Grünen Smoothies die Aufnahme eher ungünstiger Lebensmittel wie viel Fett, Fleisch, raffinierte Zucker, ballaststoffarme Speisen etc. abnimmt und damit Störungsursachen vorbeugend reduziert werden. Ein hoher Pflanzenanteil in der Nahrung alkalisiert den Stoffwechsel und erhöht damit das Gesundheitspotential signifikant. In diesem Zusammenhang fungieren Grüne Smoothies auch als ein potentes Mittel, effizient Gewicht abzunehmen. Der Kalorienanteil ist niedrig, der hohe Ballast- und Füllstoffanteil erzeugt ein angenehmes Sättigungsgefühl.
Da es möglich ist, dem grünen Smoothie beliebige Heilkräuter beizumengen, eröffnet sich ein großes Potential, traditionelles Heil – Kräuterwissen neu zu beleben und gezielt in der Prophylaxe und Therapie einzusetzen.
Offen bleibt zum gegenwärtigen Zeitpunkt die Frage, was der Grüne Smoothie, über lange Zeit in größeren Mengen zu sich genommen, bewirkt. Insbesondere natürlich auch mögliche unliebsame Wirkungen. Es gibt einzelne Berichte, die sagen, dass es nötig ist, die grünen Inhaltsstoffe regelmäßig zu verändern, da es sonst zu Einseitigkeiten und möglicherweise auch zu Schädigungen kommen kann. Beschrieben wurden Müdigkeit und Abgeschlagenheit, die nach Wechsel zu anderen Pflanzen wieder verschwanden. Möglicherweise hängen diese Wirkungen mit verschiedenen Alkaloiden zusammen, die in manchen Pflanzen in unterschiedlicher Art und Konzentration vorkommen. Dazu bedarf es eingehender Forschungsarbeit.
Es lässt sich erahnen, dass die flüssige Form hochkonzentrierter grüner Pflanzennahrung eine revolutionäre Innovation am Ernährungssektor darstellt. Durch die Verarbeitung zu einem Smoothie, besteht nun die Möglichkeit, alle wertvollen pflanzlichen Inhaltsstoffe in wesentlich größerer Menge zu sich zu nehmen als bisher. Er kann individuell an jede Geschmacksvorliebe angepasst werden und dürfte damit einer breiten Bevölkerungsschicht zugänglich sein. Mit der Erfindung des Grünen Smoothie ist Gesundheit trinkbar geworden.

